Abschlussbericht von Stephans Delphintherapie

Diagnose: komplexes Fehlbildungssyndrom unklarer Genese; Entwicklungsretardierung

Behandlungszeitraum: 08.07.-19.07.2013

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Stephan erhielt im Zeitraum vom 08.07.-19.07.13 insgesamt 10 Therapieeinheiten im CDTC. Am ersten Tag bekam er wieder die Moeglichkeit, sich an die Delphine, die Umgebung und die Mitarbeiter des CDTC zu gewoehnen. Außerdem wurde eine Befunderhebung zur Evaluierung des aktuellen Status durchgefuehrt. Ergaenzend zum CDTC – Erfassungsbogen wurde ein Elterngespraech/ Aufnahmegespraech gefuehrt, in dem unter anderem Besonderheiten von Stephan besprochen und Therapieziele festgesetzt wurden. Darueber hinaus wurden taeglich Gespraeche zur Auswertung der Therapieeinheiten durchgefuehrt.

Die Delphintherapie im CDTC wird nach verhaltenstherapeutischen Prinzipien (positive Verstaerkung, operantes Konditionieren) und wissenschaftlichen Grundlagen durchgefuehrt. Die Patienten werden von einer internationalen, multidisziplinaeren Gruppe von Therapeuten betreut.

Die Therapeuten sind in folgenden Bereichen ausgebildet, zertifiziert und staatlich anerkannt:

  • Physiotherapie
  • Sprachtherapie
  • Verhaltenstherapie
  • Psychologie

Die genannten Therapiebereiche werden in Abhaengigkeit von den Therapiezielen des jeweiligen Patienten kombiniert, eingesetzt und in die tiergestuetzte Therapie eingefuegt.

Wir freuten uns sehr, Stephan mit seinen Eltern und seiner Schwester wieder bei uns im Therapiezentrum begruessen zu koennen. Im Anamnesegespraech erfuhren wir mehr ueber die bisherige Entwicklung Stephans und Therapien, die bisher durchgefuehrt wurden. Die Eltern beschrieben Stephan als einen Jungen mit sehr starkem Willen. Meist protestiere er, wenn man etwas von ihm verlange. Dieses Verhalten zeige er in allen Therapien. Stephan moege Spiegel und hoere gern Musik. Ausserdem berichteten die Eltern, dass er gern laufe. Stephan habe in diesem Jahr die Schule abgeschlossen und solle nach den Ferien in eine Werkstatt gehen. Alle
bisherigen Therapien haben in der Schule stattgefunden. Deshalb sei noch offen, wie es zukuenftig weiter gehe. Ende letzten Jahres habe Stephan in der Therapie intensiv an der Erweiterung der Kommunikation mit Hilfe seines Talkers gearbeitet. Dieser wurde in diesem Zusammenhang auf 9 Felder ausgedehnt. Seither uebe Stephan dies fleissig.

575165_680436525316707_877894452_nStephans Therapieziele waehrend des Aufenthalts im CDTC beinhalteten:

  • Entspannung im Schulterguertelbereich
  • orofaciale Stimulation
  • Verbesserung der Kommunikation (u.a. mit Hilfe seines Talkers)
  • spielerische Interaktionen mit seiner Schwester foerdern

Am ersten Therapietag zeigte Stephan noch etwas Abwehrverhalten, so wie es die Eltern und Therapeuten aus den Vorjahren kannten. Doch schon am zweiten Therapietag zeigte er sich freudig und kam ohne Protest mit in den Therapieraum.

In der ersten Therapiewoche ging es um folgende Schwerpunkte:

Waehrend der Therapie im Raum gaben wir Stephan die Moeglichkeit, mit Hilfe seines Talkers, aber auch anhand von Ja/Nein Antworten durch Kopfbewegungen oder das Zeigen auf entsprechende Karten, den Ablauf der Therapie selbst zu bestimmen. Bei den Spielangeboten wurde sehr darauf geachtet, dass diese seinen Interessen entsprachen (Spiegel, Musik, Bilder von Delphinen, Autos, Ballspiel). Sein Talker kam immer nach einer kurzen Spieleinheit zum Einsatz und Stephan konnte dann durch das Druecken der entsprechenden Tasten entscheiden, wie es weitergehen sollte (ja, nein, nochmal, los). Wer beim Spiel an der Reihe war wurde durch die „ich“ und „du“ Tasten verdeutlicht. Der Talker konnte von allen Beteiligten im Spiel benutzt werden. So durfte z. Bsp. auch seine Schwester eine Taste druecken, um sich mitzuteilen. Kam keine deutliche Reaktion von Stephan auf eine Frage, sagten wir ihm, dass dann ein anderer fuer ihn entscheiden wuerde. Besonderen Stellenwert nahm auch das Antworten durch Nicken und Schuetteln ein. Wendete Stephan dies an, wurde es in jedem Fall positiv verstaerkt. Auf der Plattform und im Wasser bekam Stephan die Moeglichkeit anhand von Karten die Aktionen mit seinem Delphin zu bestimmen.

Da Stephan haeufig nicht genau hinsah, wenn er etwas tat, uebten wir intensiv das Aufnehmen von Blickkontakt. Schon nach kurzer Zeit zeigten sich hier Verbesserungen.

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Stephans Schwester bekam die Moeglichkeit in einigen Therapien im Raum teilzunehmen. Dies hatte den Zweck, ihr Spiel- und Kommunikationsmoeglichkeiten mit ihrem Bruder zu zeigen und hatte fuer beide einen positiven Effekt.

Waehrend der Therapie am Dock wurde Stephan nach dem Castillo Morales Konzept behandelt. Da die Schulter-und Nackenmuskulatur bei ihm sehr verspannt ist, bekam die Schulterguertelbehandlung einen hohen Stellenwert. Ebenso wurden die Wirbelsaeule und die Arme mobilisiert. Stephan liess dies von Anfang an sehr gut zu, so dass wir auch dazu uebergehen konnten, die mimische Muskulatur zu stimulieren.

In der zweiten Therapiewoche wurden die Inhalte der ersten Therapiewoche aufgegriffen und an folgenden Inhalten gearbeitet: Stephan hatte bereits in der ersten Therapiewoche eine herausragende Kooperation gezeigt, die sich auch in der zweiten Therapiewoche fortsetzte. Auch der Therapeutenwechsel in der 2. Therapiewoche stoerte Stephan dabei nicht.

Um zum einen Stephan stets eine Uebersicht ueber den Verlauf der Therapie zu ermoeglichen und zum anderen Fertigkeiten wie Greifen, Loslassen, Auge-Hand-Koordination und Konzentration zu foerdern, haben wir wieder die Tafel mit den Piktogrammen eingesetzt. Stephan sollte zu Beginn der Therapie dem Therapieinhalt entsprechend Bildkarten an die Tafel heften, so dass stets ein Ueberblick gewaehrleistet war. War eine Aufgabe erledigt, konnte er die Karte von der Tafel nehmen und mit Blickkontakt an die Praktikantin weitergeben. Dabei bekam Stephan so viel Unterstuetzung wie noetig. Auffallend war, dass die Unterstuetzung stetig abgebaut werden konnte und dass z.T. nur kurze Hinweisreize (Antippen des Ellbogens) ausreichten, damit Stephan die Aufgabe ausfuehrte.

Um Stephan die Moeglichkeit zu geben, aktiv die Therapie mitzugestalten, bekam er stets mehrere Angebote zur Auswahl. Dabei konnte er sich z.B. mit Hilfe seines Talkers, mit den ja-/nein-Karten und/oder mit Hilfe von Gestik und Mimik aeussern. Sobald Stephan eine Reaktion zeigte, reagierten wir entsprechend, so dass Stephan auch sofort den Effekt seine Kommunikation erkannte.

Uebungen mit Hilfe einer Pilatesrolle zum:

  • Training der Gesamtkoerperwahrnehmung
  • Dehnung der ventralen (vorn) Muskulatur, vor allem der Brustmuskuklatur zur vermehrten Aufrichtung und zur Anbahnung einer aufrechten Haltung
  • Oeffnen des Brustkorbs und einer damit verbundenen Weitung der Lunge. Zeitgleich werden Uebungen zur Unterstuetzung der vertieften Atmung durchgefuehrt, so wird die Ventilation der Lunge erweitert, die Sauerstoffversorgung des Gesamtorganismus erhoeht und das Risiko fuer Erkrankungen wie Bronchitis oder Lungenentzuendung verringert

Der positive Übungseffekt der Rolle beruht zudem auf den destabilisierenden Eigenschaften des speziellen Hartschaummaterials. Sobald der Patient auf der Rolle positioniert wird, wird der Gleichgewichtssinn gefordert. Durch das eigene Gewicht wird eine Kompression des Materials ausgelöst, so dass direkt Koordination und Balance gefordert werden, dieses wirkt sich foerdernd auf die Kopfkontrolle aus.

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Ein weiteres Spiel, welches Stephan sich gerne aussuchte, war das Basketballspielen. Dabei verwendeten wir einen hoehenverstellbaren Korb, so dass Stephan sich immer groesser machen musste, um den Ball in den Korb zu werfen. Diese Uebung fuehrte Stephan im Stehen aus, wobei er durch seine Therapeutin unterstuetzt wurde. Gemeinsam mit Stephans Schwester Lea fuehrten wir einen Basketball-Wettbewerb durch, an dem Beide sichtlich viel Spass hatten.

Im Rahmen der Castillo Morales Behandlung konnten wir auch intraoral stimulieren. Stephan liess dies im Grossen und Ganzen gut zu. Zudem haben wir ihm auch einen Kauschlauch angeboten, um zum einen das Kauen zu stimulieren und um auch zusaetzliche intraorale Stimulationen anzubieten. Vielleicht kann der Einsatz des Kauschlauches auch eine Alternative fuer Stephan sein, wenn er Energie loswerden muss (um das Zaehneknirschen zu mindern).

Folgende Veraenderungen wurden am Ende der zweiten Therapiewoche von Stephans Eltern und von uns beobachtet:

  • sehr gute Mitarbeit ohne jegliche Abwehr
  • orofaciale Stimulation moeglich (die Eltern berichteten von einer besseren Toleranz beim Zaehneputzen)
  • adaequater Einsatz des Talkers und anderer alternativer Kommunikationsmittel (z.B. ja-/nein-Karten)
  • sehr schoene Interaktion zwischen Stephan und seiner Schwester Lea
  • viel Spass

Diese zwei Therapiewochen koennen als Aufbautherapie an die vorausgegangene delphingestuetzte Therapie gewertet werden. Darum sollte diesem Bericht stets der Therapiebericht von Stephans vorhergegangener Delphintherapie zu Grunde gelegt werden. Der Therapieabschlussbericht behaelt nach wie vor seine Bedeutung, da die beschriebenen Therapieinhalte, -ansaetze und –durchfuehrung in Bezug auf Stephans Momentansituation auch zu diesen zwei Therapiewochen aktuell sind und aus unserer Sicht fortgefuehrt werden sollten.

Stephan und sein Delphin Nubia waren ein tolles Team. Nachdem Nubia in der ersten Woche noch viel Quatsch gemacht hat, war er in der zweiten Woche umso mehr um Stephan bemueht und es war sehr schoen zu beobachten, wie sehr Stephan auch die Zeit mit seiner Delphinfreundin genoss.

Lieber Stephan! In diesem Jahr hast Du uns alle umgehauen! Es war einfach unglaublich, wie toll Du mitgearbeitet hast und dabei auch noch so ansteckend lachen musstest, so dass auch wir uns noch kaum halten konnten! Mach weiter so! Wir wuenschen Dir und Deiner Familie von Herzen alles Gute!

Herzliche Gruesse

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